Brautwahl

Nikolai Gogol


Aus zwielichtiger Motivation setzt der rüde Kotschkarjow alles daran, in Konkurrenz zur äußerst betriebsamen Heiratsvermittlerin Fjokla Iwanowna, seinen trägen Freund und Hofrat Podkolesjin mit der dümmlichen, sinnlich-drallen Agafja Tichonowna zu verheiraten.
Dabei scheint nach zähen Überredungskünsten das letzte Hindernis lediglich das Ausschalten der plumpen Mitbewerber zu sein ...

Gogol, Nikolai Wassiljewitsch (1.4.1809 - 4.3.1852),Hauptvertreter der russichen Romantik mit ironisch-groteskem Stil.
Ab 1842 geriet sein literarisches Schaffen, das vor allem aus Romanen, Erzählungen und Komödien besteht, ins Stocken. Gogol litt darunter, daß er die positiven Seiten des Lebens, um deren Förderung es ihm eigentlich ging, nicht so überzeugend darstellen konnte wie die negativen. Wichtige Werke sind:
"Der Revisor" (1836), "Die toten Seelen" (1842/55), "Petersburger Erzählungen" (1835/42).

Mit "Brautwahl" präsentierte das "Jurakowa-Projekt" die zweite Premiere innerhalb eines Jahres. Nach der Inszenierung ausgewählter Erzählungen Daniil Charms' unter dem Titel "Mißglückte Vorstellung" stieß die Truppe auf den russischen Schriftsteller Nikolai W. Gogol, der bereits ein Jahrhundert zuvor den Grundstein absurd-realistischen Theaters gelegt hatte und als Vorreiter Charms angesehen werden darf.
Gogols skeptischer Grundzug - in völligem Widerspruch zu den Beschönigungen der vorangegangenen Dramatik - schuf insofern etwas völlig Neues, als daß er nicht Gut und Böse einander gegenüberrückte, sondern nur negative Charaktere auf die Bühne stellte. Die Figuren der "Brautwahl" sind beschränkte, menschlich reduzierte und auf banale Details fixierte Typen, deren übersteigerte Sprache im krassen Widerspruch zur Abgeschmacktheit ihrer um Nebensächlichkeiten kreisenden Gedanken steht.
Mit kritisch-satirischer Perspektive, seiner Zeit voraus, erahnt Gogol die modernen Gesellschaftsstrukturen des 20. Jahrhunderts und scheint deswegen den uns heute bekannten Formen abstrakten Theaters sehr verwandt.

Presse

Kritik AN

Kritik AZ


Besetzung

Schauspiel:
 
Agafja Tichonowna, Kaufmannstochter
Asita Zabardjadi
Arína Pantalejmónowna,ihre TanteBritta Hanisch
Fjókla Iwánowna, Heiratsvermittlerin
Martina Johach
Podkolésjin, Hofrat
Thomas Kley
 
Kotschkarjów, sein Freund
Tom Klimant
 
Rührei, Exekutor
Franz-Josef Schelnberger
Ánutschkin, Infanterieoffizier
Aleksander Otasevic
Schewjákin, Seemann
René Beaujean
Dunjáschka, Hausmädchen
Gabi Stoll
Bühnenbild:
Tatjana Jurakowa
Plakatillustration:
Alexej Titov
Klangkollage:
Tom Klimant
Technik:
Waldemar Faber
  
Regie:
Tatjana Jurakowa

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